Willkommen beim Freundeskreis Kramer-Mühle e.V.

Sie befinden sich auf: Veröffentlichungen > Rhein-Neckar-Zeitung

03.07.2017: Bürgerentscheid in St. Leon-Rot (Update)

Die Mühlenwiese darf nicht bebaut werden (Update)

Bürger in St.Leon-Rot mussten am heutigen Sonntag entscheiden, ob das Gelände der Kramer-Mühle doch nicht bebaut wird

02.07.2017, 19:30 Uhr von Christian Lerche

Um die Kramersche Mühle in St. Leon (im Bild unten ist die Roter Straße) drehte sich der Bürgerentscheid am Sonntag, 2. Juli, genauer um die Frage der Bebauung der Wiese (im Bild links) und auch des übrigen Areals (oben, am Bach). Foto: Wolfgang Brandmeier

St. Leon-Rot. (mün/seb) Die Bürger in St. Leon-Rot haben "Ja" gesagt - und damit dem eigenen Gemeinderat eine Abfuhr erteilt. Laut dem Ergebnis des Bürgerentscheids am heutigen Sonntag ist die Bebauung des Areals der historischen Kramer-Mühle in St. Leon-Rot ist vom Tisch. Das wollten 2689 Bürger und damit 25,18 Prozent der Stimmberechtigten. Das Mindestqorum von 20 Prozent wurde damit erreicht. Lediglich 1352 Bürger (12,66 Prozent) aus St. Leon-Rot wollten die Bebauung des Areal der Kramerschen Mühle mitttragen. Die Ergebnisse des Bürgerentscheids veröffentlicht die Gemeinde auf ihrer Website. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 38 Prozent. Bürgermeister Alexander Eger gratulierte den Initiatoren des Bürgerbegehrens und zeigte sich zufrieden, dass „ein eindeutiges, verbindliches Ergebnis“ erreicht worden sei.

Der Gemeinderat hatte 2015 einstimmig beschlossen, das Gebäudeensembles zu kaufen und zu erhalten. Es sollte aber auch auf vielfältige Weise genutzt werden soll, auch durch Bebauung der angrenzenden "Mühlenwiese" - damals hieß es noch mit Unterkünften für Flüchtlinge, heute denkt man da auch an finanziell Schwache.

Gegen eine Wohnbebauung des Mühlenareals insgesamt haben sich die Initiatoren eines Bürgerbegehrens gewandt, teilweise aus den Reihen des Vereins "Freundeskreis Kramer-Mühle". Sie verweisen auf die historische Bedeutung der über 500 Jahre alten Mühle, die für viele Bürger "ein wichtiges Stück Heimatgeschichte" sei, und wünschen sich ein vielfältig nutzbares "Begegnungs- und Kulturzentrum" - das mit einer benachbarten Wohnbebauung nicht uneingeschränkt realisiert werden könne. Man gehe davon aus, dass es in St. Leon-Rot durchaus andere Möglichkeiten gibt, Mehrfamilienhäuser zu bauen.

Update: 2. Juli 2017, 19.55 Uhr

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung Artikel: Die Mühlenwiese darf nicht bebaut werden (Update)

02. 07.2017: Bürgerentscheid in St. Leon-Rot

Eindeutiges Ergebnis gegen die Bebauung der Mühlenwiese

Bürgerentscheid am Sonntag erbrachte eindeutiges Ergebnis: Über 25 Prozent der Wahlberechtigten stimmen im Sinne des Bürgerbegehrenses Ergebnis gegen die Bebauung der Mühlenwiese

03.07.2017 von Christian Lerche

  • Um die Kramersche Mühle in St. Leon (im Bild unten ist die Roter Straße) drehte sich der Bürgerentscheid am Sonntag, 2. Juli, genauer um die Frage der Bebauung der Wiese (im Bild links) und auch des übrigen Areals (oben, am Bach). Foto: Wolfgang Brandmeier

Bei der Auszählung zum gestrigen Bürgerentscheid in St. Leon-Rot blieb es bis zum Schluss spannend. Doch schließlich stand der klare Beschluss gegen eine Wohnbebauung der Wiese der Kramer-Mühle fest.

 

St. Leon-Rot. (seb) Es blieb spannend bis zuletzt: Nach der Auszählung der acht Wahlbezirke in St. Leon und Rot war die erforderliche Mindestanzahl der Ja-Stimmen nicht erreicht. Erst mit dem Ergebnis der Briefwahl ergab sich ein eindeutiges Bild: Eine Bebauung des Areals der Kramer-Mühle ist vom Tisch.

2689 Bürger beantworteten am Sonntag die Frage "Sind Sie dafür, dass das Gelände der Kramer-Mühle nicht mit Wohnhäusern bebaut wird und alle Planungen hierzu gestoppt werden?" mit Ja. Das sind 66,5 Prozent aller, die zur Wahl gegangen sind und vor allem 25,18 Prozent der Wahlberechtigten. Damit ist die wichtigste Bedingung für einen gültigen Bürgerentscheid erfüllt, dass es nämlich eine Mehrheit gibt und die mindestens 20 Prozent der Wahlberechtigten entspricht. Jubelrufe und Fußgetrappel schallten durch das Rathaus, als Bürgermeister Dr. Alexander Eger das bekannt gab.

1352 Bürger (12,66 Prozent der Wahlberechtigten) stimmten mit Nein und damit für den ursprünglichen Beschluss des Gemeinderats vom Dezember 2015, die Mühle zu erwerben und Wohnungen für Obdachlose beziehungsweise Flüchtlinge oder sozial Schwache durch die Kommune bauen zu lassen. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 38 Prozent. Der Blick in die Ortsteile verrät, dass Rot bei einer Wahlbeteiligung von 23,3 Prozent mehrheitlich mit Nein stimmte (also für eine Bebauung): 801 Mal Nein bedeuten über 61 Prozent der Abstimmenden in Rot (und 14,3 Prozent aller Wahlbeteiligten). In St. Leon lag die Wahlbeteiligung bei 36,4 Prozent, 1594 Bürger (über 86 Prozent der Abstimmenden dort, 31,4 Prozent der Wahlbeteiligten) waren gegen die Bebauung. Zu berücksichtigen ist noch die Briefwahl: Hier stimmten 890 Bürger ab, 591 davon mit Ja, also zwei Drittel der Abstimmenden (5,5 Prozent der Wahlberechtigten).

"Schön, dass es eine eindeutige, verbindliche Entscheidung ist", sagte Bürgermeister Eger und gratulierte den Initiatoren des Bürgerbegehrens zum Erfolg. Er bedankte sich herzlich beim Rathaus-Team und allen Wahlhelfern. 38 Prozent Wahlbeteiligung, 25 Prozent mit Ja: "Das ist ein sehr gutes Ergebnis" - und eine gute Arbeitsgrundlage für Verwaltung und Rat. Allerdings: Was Grundstücks-Alternativen für den Bau von Wohnungen für sozial Schwache angeht, "bin ich ein bisschen ratlos". Momentan stünden keine vergleichbaren Flächen für den kommunalen Wohnungsbau zur Verfügung und neue zu entwickeln, "dauert sicher sechs bis sieben Jahre", mindestens. Eger sah beim Mühlen-Entscheid auch Parallelen zu einem weiteren Projekt: Der Gemeinderat hat für den Kauf des Pfarrhauses in St. Leon inklusive Bebauung des angrenzenden Gartens gestimmt, die Verwaltung hat den Beschluss aber noch nicht umgesetzt, weil sich Einspruch regt. Was nun? "Da muss ich eine Nacht drüber schlafen."

In jedem Fall zeigt sich für den Bürgermeister, dass die Nachverdichtung, die Bebauung freier Areale innerorts statt des weiteren Flächenwachstums einer Gemeinde, "an ihre Grenzen stößt". Immer öfter rege sich Widerstand, "die Entwicklung der Gemeinde in die Fläche ist notwendig". Was neue Baugebiete angehe, müsse das Land die in den vergangenen Jahren recht straff angezogenen Stellschrauben lockern, so Eger.

Hocherfreut zeigte sich Albert Weinlein, Mitinitiator und Vertrauensperson des Bürgerbegehrens, dem von allen Seiten die Hände geschüttelt und auf die Schulter geklopft wurde. "Wir sind froh, dass sich so viele an der Wahl beteiligten und eine so überwältigende Mehrheit für unser Begehren stimmte." Damit habe man das Ziel erreicht, das Gesamtensemble der Kramer-Mühle auch für kommende Generationen im jetzigen Zustand zu erhalten. Am Runden Tisch zur Entwicklung eines Nutzungskonzepts gemeinsam mit den Bürgern werde man sich gerne engagieren.

"Der Wähler hat entschieden, das erkennen wir an", sagte Siegfried Köck (Freie Wähler). "Wir hätten natürlich gerne gesehen, dass der einstimmige Ratsbeschluss vom Dezember 2015 bestätigt wird." Jetzt müsse man Alternativen für die dringend benötigten Gemeindewohnungen finden, doch vergleichbare Bauplätze gebe es nicht. Köck wies auf die finanziellen Konsequenzen für die Gemeinde hin: Man habe das Mühlenareal zu Baulandpreisen gekauft, nun nicht bauen zu dürfen, bedeute einen Verlust von 600.000 Euro. "Wir hätten den Bürgerentscheid lieber aufs Datum der Bundestagswahl gelegt", so Köck: "Dann hätten wir eine höhere Wahlbeteiligung und damit mehr Demokratie gehabt."

"Wir sind mit dem Ergebnis insgesamt nicht zufrieden", so Rouven Dittmann (Junge Liste). "Wir hätten uns eine sinnvolle Nutzung durch kommunalen Wohnungsbau gewünscht, wie sie ursprünglich im Rat beschlossen wurde." Das Ergebnis des Bürgerentscheids nehme man natürlich zur Kenntnis. 38 Prozent nur seien zur Urne gegangen, "das ist keine tatsächliche Bürgerbeteiligung", hätte Dittmann lieber einen Entscheid parallel zur Bundestagswahl gesehen. In jedem Fall aber "setzen wir uns weiterhin für kommunalen Wohnungsbau ein", nur müsse man jetzt leider ein anderes Gelände finden, was nicht einfach werde. "Verwundert, dass die Wahlbeteiligung so gering war", zeigte sich Udo Back (CDU), aber: "Der Bürger hat entschieden, daran halten wir uns." Wegen der Frage des St. Leoner Pfarrgartens sollte man "lieber abwarten".

"Sehr erfreut" war Prof. Wolfgang Werner (SPD/FDP), die Wichtigkeit des uneingeschränkten Erhalts des historischen Mühlenensembles betonend. Die "hohe Wahlbeteiligung" sei ein "Zeichen gelebter Demokratie". Jetzt müsse es "mit Volldampf" weitergehen, um ein Nutzungskonzept für die Mühle zu entwickeln, so Werner. Was die Bebauung des St. Leoner Pfarrgartens angehe: Der stehe nun, da die Wiese als sozialer Treffpunkt erhalten bleibe, eigentlich nichts im Wege, fand Werner.

"Das eindeutige Ergebnis muss der Gemeinderat annehmen", so Achim Schell (Union), der die Organisatoren des Bürgerbegehrens beglückwünschte. Jetzt gelte es, sich auf die nächsten wichtigen Vorhaben zu konzentrieren, etwa das Managementverfahren zur Entwicklung des Nutzungskonzepts für die Mühle gemeinsam mit der Bürgerschaft. "Hauptziel war immer ein Gesamtnutzungskonzept für die Mühle", so Norbert Knopf (Grüne). "Dafür brauchen wir das gesamte Mühlenareal." Er zeigte sich froh über das "eindeutige Ergebnis". Jetzt bleibe zu hoffen, dass die Entwicklung des Konzepts "zügig voranschreitet".

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung Artikel: Eindeutiges Ergebnis gegen die Bebauung der Mühlenwiese

10.02.2017 Wie St. Leon Rot mehr Wohnraum schaffen könnte

Wie St. Leon-Rot mehr Wohnraum schaffen könnte

Gemeinderat St. Leon-Rot diskutierte Möglichkeiten zur Schaffung von Wohnraum - Städteplaner sollen hinzugezogen werden

10.02.2017 von Christian Lerche

Symbolfoto: dpa-Archiv

 

St. Leon-Rot. (seb) 300 freie Baugrundstücke gibt es in St. Leon-Rot derzeit, 170 in den jüngsten Neubaugebieten in Randlage, 130 innerorts. "Das sind 12,5 Hektar bebaubares Land", erklärte Bauamtsleiter Werner Kleiber in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Die Grundstücke haben ihm zufolge 450 Eigentümer, an die man sich nun mit einem Fragebogen wenden wolle, um unter anderem zu fragen, warum das Gelände brachliegt, welche Pläne sie haben, ob die Areale zum Verkauf stehen und ob die Hilfestellung der Gemeinde gewünscht ist.

Kleiber erläuterte dies anlässlich eines Antrags der CDU-Fraktion, weitere Baugebiete auszuweisen, da der Wohnungsmarkt in der Gemeinde sehr angespannt sei und insbesondere kleinere Wohnungen, die sozial Schwächere sich leisten könnten, absolute Mangelware seien. Der Bauamtsleiter machte wiederholt deutlich, dass die wesentliche Frage nicht sei, welche Grundstücke unbebaut sind oder welche Häuser leer stehen, sondern ob sie auf dem Markt sind. Aus Datenschutzgründen kann die Gemeinde ihm zufolge nicht ohne Weiteres mehr über die Eigentümer erfahren, je nachdem, ob es einen Bebauungsplan gibt und wie dieser gestaltet ist, hat man eine gewisse Handhabe, kann aber bisher in keinem Fall erzwingen, dass das Grundstück zum Verkauf angeboten oder bebaut wird.

Neue Baugebiete können nur gemäß dem bis 2020 geltenden Flächennutzungsplan ausgewiesen werden, und wie Kleiber erläuterte, lässt eine neue Landesgesetzgebung praktisch keine Chance, diesen Plan danach zu erweitern. Und so listete er fünf Wohnbau- und drei Mischgebietsflächen mit zusammen 15,3 Hektar auf, die noch entwickelt werden könnten. Eine Schwierigkeit dabei: Die Gemeinde selbst besitzt in diesen Gebieten nur zwei kleine Grundstücke, ist also vom Entgegenkommen der Eigentümer abhängig.

Und das sind viele: Laut Kleiber gibt es beispielsweise in einem Ein-Hektar-Areal 100 Eigentümer und im mit 6,2 Hektar größten, dem "Nesselgrund" in St. Leon, direkt neben dem Baugebiet "Reilinger Straße links", immer noch 75 Eigentümer. Die könnten natürlich nicht alle später auf ein bebaubares Grundstück hoffen. So oder so würden Bodenordnung und Umlegung enorm aufwendig. Bürgermeister Dr. Alexander Eger erinnerte an das Gewerbegebiet "Schiff II", das schon immer vollständig in Gemeindebesitz war, und dennoch bisher drei Jahre und voraussichtlich noch ein Jahr bis zur Baureife braucht.

Zum weiteren Vorgehen erläuterte Kleiber, dass mindestens ein Jahr benötigt werde, allein um die artenschutzrechtlichen Bestimmungen festzulegen. Außerdem wolle man professionelle Städteplaner hinzuziehen, um sich mit den acht genannten Gebieten zu befassen. Dem stimmte der Rat mit 17 Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen zu. Geprüft wird zudem, dann einen Bauzwang zu erlassen, damit diese Areale nicht brachliegen.

Aus dem Gemeinderat kam auch die Anregung, sich intensiv, eventuell in einer eigenen Klausurtagung, mit den innerörtlichen Potenzialen zu befassen und Entwicklungsziele für die Gemeinde St. Leon-Rot festzulegen - im Hinterkopf behaltend, dass beispielsweise der Neubau eines Kindergartens in absehbarer Zukunft notwendig werden könnte.

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung Artikel: Wie St. Leon-Rot mehr Wohnraum schaffen könnte

19.01.2017 - Bürgerbegehren gegen Wohnbauten an der Mühle

1646 Unterschriften stützen ein vom "Freundeskreis Kramer-Mühle" gestartetes Bürgerbegehren.

19.01.2017 von Christian Lerche

Als Vertrauensperson des Bürgerbegehrens überreichte Albert Weinlein (Freundeskreis Kramer-Mühle, li.), 1646 Unterschriften an Bürgermeister Dr. Alexander Eger. Foto: Lerche

St. Leon-Rot. (seb) "Sind Sie dafür, dass das Gelände der Kramer-Mühle nicht mit Wohnhäusern bebaut wird und alle Planungen hierzu gestoppt werden?" Diese Frage könnte den St. Leon-Roter Bürgern zur Entscheidung vorgelegt werden, sollte der Gemeinderat dem Bürgerbegehren stattgeben. In den vergangenen Wochen wurden 1646 Unterschriften gesammelt und jetzt Bürgermeister Dr. Alexander Eger überreicht. Der Verein "Freundeskreis Kramer-Mühle" hat das Verfahren angestoßen, Ziel ist ein Bürgerentscheid nach Paragraf 21 der Gemeindeordnung.

Anlass war die Entscheidung des Gemeinderats im Oktober 2016 für einen der Architektenentwürfe, falls eine Bebauung der Wiese neben der Mühle später beschlossen werden sollte. Die Bebauung selbst sollte nur als Möglichkeit in den umfangreichen Ideenfindungsprozess einfließen, der in Zusammenarbeit mit der Bürgerschaft zu einem Nutzungskonzept für die Mühle führen soll (für den 21. Januar war ursprünglich eine erste Beteiligung der Bürgerschaft geplant, die nun verschoben wurde).

Dem Kauf der Mühle konnte die Ratsmehrheit im Dezember 2015 nur zustimmen, weil im "Gesamtpaket" ein zur Bebauung geeignetes Areal enthalten war und damit die vergleichsweise günstige Chance, Wohnungen für Flüchtlinge und nicht zuletzt auch Bürger mit schmalem Geldbeutel zu schaffen. Für die Vertrauenspersonen des Bürgerbegehrens um Albert Weinlein, den Vorsitzenden der Mühlen-Freunde, stand damit fest, "dass eine Bebauung des Geländes der Kramer-Mühle mit Wohnhäusern in jedem Falle erfolgen soll".

Der Gemeinderat wird sich voraussichtlich in der Februar-Sitzung mit dem Bürgerbegehren befassen. 750 gültige Unterschriften genügen, damit dem Begehren stattgegeben werden muss, so Hauptamtsleiterin Anette Reich. Ihr zufolge gibt es dann die Möglichkeit, dass der Rat sich gleich gegen eine Bebauung der Mühlenwiese entscheidet.

Andernfalls kommt es zum Bürgerentscheid, praktisch wäre laut dem Bürgermeister aus logistischen Gründen, ihn auf den Termin der Bundestagswahl im September zu legen, ob das zeitlich machbar ist - angesichts der detailreichen rechtlichen Vorgaben -, ist aber noch offen. 20 Prozent der St. Leon-Roter Wahlberechtigten ist das Quorum: Eine Mehrheit, die mindestens so groß ist, muss die Frage bejahen, damit eine Bebauung des Mühlenareals verhindert wird. Dann wäre der Bürgerentscheid für Rat und Verwaltung bindend.

"Ich persönlich hätte mir gewünscht, dass wir über den Entscheidungsprozess, den wir ja schon gestartet haben, einen Kompromiss erzielen", so Eger. Natürlich sei nun die Aufgabe, Wohnraum für Flüchtlinge zu schaffen, nicht einfacher geworden - man sei nach wie vor, wenn auch unter weniger Druck, auf der Suche nach Immobilien.

Doch gelte es, den Bürgerwillen zu respektieren. "Weicht der davon ab, was ich ursprünglich gedacht habe, habe ich damit kein Problem. Es ist schließlich meine Aufgabe, zu tun, was die Bürger wollen." Das Engagement der Mühlen-Freunde "ist bemerkenswert", so Eger, "und ich finde es schön, dass sich so viele Bürger für die Belange ihrer Gemeinde einsetzen".

Dass man in die Entwicklung des Nutzungskonzepts gar nicht erst einsteigen wollte, begründete Weinlein zum einen mit dem Zeitaufwand eines Bürgerbegehrens: Rechtzeitig hätte man auf eine Entscheidung, die sich herauskristallisiert, nicht reagieren können. Außerdem hatte man den Eindruck, "der Gemeinderat möchte nicht von der Bebauung abrücken". Die wolle man aber verhindern, "um das historisch gewachsene Erscheinungsbild der Mühle zu bewahren".

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung Artikel: Bürgerbegehren gegen Wohnbauten an der Mühle

27.10.2016 - St. Leon-Rot: In einem Jahr soll das Mühlen-Konzept stehen

St. Leon-Rot beauftragt externe Projektbetreuer – Man hat sich beim Landesprogramm "Kommunales Managementverfahren" beworben

27.10.2016 von Christian Lerche

Foto: Erich Purkott

St. Leon-Rot. (seb) "Eine ausgewogene, ausgedehnte Bürgerbeteiligung ist das Ziel." Das unterstrichen die Projektbegleiter, die mit Anstoß und Betreuung der Entwicklung eines Nutzungskonzepts für die Kramersche Mühle in der jüngsten St. Leon-Roter Gemeinderatssitzung betraut wurden.

Jens Ridderbusch ist Projektleiter für Managementverfahren der Familienforschung im Statistischen Landesamt, Projektmoderator

Frieder Hartung ist selbstständiger Städteplaner und Kooperationspartner des Landes.

Um die Konzeptentwicklung von Ideenfindung bis zu konkreter Planung zu betreuen, hat die Gemeinde externe Fachleute hinzugezogen: Sie hat sich beim Landesprogramm "Managementverfahren - Familienfreundliche, bürgeraktive und demografiesensible Kommune" beworben. Mit dem Zuschlag sind Kosten von 24.000 Euro verbunden. Ridderbusch und Hartung entwickeln nach eigenen Worten Konzepte für Treffpunkte der Bürger, für Kulturzentren oder auch für Generationen-Treffs, etwa den in Buchen. "Ziel ist, den sozialen Zusammenhalt, die Generationenbeziehungen und auch das bürgerschaftliche Engagement zu fördern." Damit fördere das Sozialministerium auch die Vernetzung von Kommunen, die an einem Projekt arbeiten, wie es die Kramer-Mühle zu werden verspricht. "Wir begleiten den Prozess, er liegt aber in Ihren Händen", so Ridderbusch.

In zwölf Monaten soll das Konzept stehen: Bis dahin wird zunächst ein Entscheidungsgremium berufen, das nicht nur aus Vertretern von Rat und Verwaltung bestehen, sondern einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung, inklusive Vereinen und Unternehmen, darstellen soll. In mindestens zwei großen Bürgerversammlungen soll auch die breite Öffentlichkeit auf dem Laufenden gehalten werden. Im Herbst 2017 sind idealerweise aus möglichst vielen Einfällen handfeste, machbare Vorhaben für die Mühle geworden. Die letzte Entscheidung liegt freilich beim Rat.

Frieder Hartung empfahl sich augenzwinkernd mit der Anmerkung, er sei in einer Mühle aufgewachsen, aus der zwischenzeitlich ein Tagungszentrum und dann ein Mehrgenerationenhaus geworden sei. "Wir können die Kramer-Mühle gemeinsam zu einem lebendigen Ort machen." Zu einer möglichen Bebauung der Mühlen-Wiese gefragt, meinte Jens Ridderbusch, dass ein Baubeschluss, noch ehe mit dem Konzept begonnen wird, durchaus "eine Hypothek" sei: Wenn der Handlungsdruck nicht mehr so groß sei, plädiere er dafür, die Entscheidung zur Wiese im Rahmen des Nutzungskonzepts zu fällen.

Nach Willen der Verwaltung sollen Wohneinheiten für soziale Zwecke aber zumindest als Möglichkeit ins Nutzungskonzept der Mühle aufgenommen werden. Bürgermeister Dr. Alexander Eger meinte, es ergebe Sinn, die Mühle als Gesamtensemble zu betrachten und sich nicht vorab auf eine Bebauung festzulegen - ebenso wenig, wie "partout von einer Bebauung abzusehen". Eger betonte: "Keine Idee wird von vornherein ausgeschlossen, das ist ein offener Prozess und wir wünschen uns einen breiten Konsens."

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung Artikel: "St. Leon-Rot: In einem Jahr soll das Mühlen-Konzept stehen"

27.10.2016 - Kramer-Mühle St. Leon-Rot: "Noch ist alles offen"

27.10.2016 von Sebastian Lerche

Einigkeit herrscht darüber, dass die historisch bedeutsame Kramer-Mühle in St. Leon erhalten und für vielfältige Zwecke genutzt werden soll. Ob das aber eine Bebauung der angrenzenden Wiese ausschließt, wurde jetzt im Gemeinderat kontrovers diskutiert. Archiv-Foto: Hecker-Petrova

Der Gemeinderat befasste sich mit der möglichen Bebauung der Mühlen-Wiese – Erst muss ein Nutzungskonzept erarbeitet werden

St. Leon-Rot. (seb) Erst soll das Nutzungskonzept für die Kramersche Mühle stehen, dann wird über eine Bebauung der angrenzenden Wiese entschieden, die im Vorfeld für kontroverse Diskussionen sorgte. Das hat St. Leon-Rots Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mit der knappen Mehrheit von zwölf zu zehn Stimmen entschieden.

Allerdings, und das sorgte auch bei den vielen Bürgern - im vollen Ratssaal und sogar auf dem Flur - für Verwirrung, bestand Bürgermeister Dr. Alexander Eger darauf, einen der Architektenentwürfe für zwei Gebäude mit vorerst rund 20 Wohnungen als Entscheidungsgrundlage ins Konzept aufzunehmen, das bis Herbst 2017 gestaltet werden soll. Die Verwaltung mache sich unglaubwürdig, so Eger, wenn sie die Wiesenbebauung nicht zumindest als Möglichkeit in den Entwicklungsprozess einbringe, nachdem sie im Dezember 2015 so vehement dafür argumentiert hatte.

Der Bürgermeister betonte erneut, dass der Gemeinde nach aktuellem Stand 320 Flüchtlinge bis 2018 für die Anschlussunterbringung zugewiesen werden, und man außer der Mühlen-Wiese praktisch keine Immobilien mehr habe - außer einer Art "eisernen Reserve" unter anderem für einen sicher notwendig werdenden Kindergarten-Neubau. Zudem hob Eger hervor, was zahlreiche Räte und auch Bürger eingangs der Sitzung angemahnt hatten: dass die Gemeinde dringend Wohnraum für den kleinen Geldbeutel schaffen sollte. Auch dafür sollten die Gebäude an der Mühle geeignet sein.

Kommt also die Wiesenbebauung? "Noch ist alles offen", erklärte Eger, die Verwaltung jedenfalls trete dafür ein. Sie sei aber neben Fraktionsvertretern und weiteren Bürgern quasi nur eine Stimme im Entscheidungsgremium, das das Nutzungskonzept entwirft. Ein Baubeschluss sei nicht gefallen, wollte Eger auch gegenüber den wütenden Stimmen nach der Sitzung klargestellt wissen, dass nicht gleich die Bagger anrücken.

Basis des Vorschlags, mit dem sich das Entscheidungsgremium dann befassen soll, ist einer von zwei Architektenentwürfen, die die im Dezember aktuelle Bedingung der Maximal-Ausnutzung der Mühlen-Wiese erfüllen. Ortsbaumeister Peter Dietz stellte sie vor. Für Eger selbst wirkten die Gebäude zu wuchtig, über die genaue Gestaltung werde man im kommenden Jahr noch reden müssen.

Für die Freien Wähler erklärte Siegfried Köck, dass man zur Entscheidung für die Bebauung stehe: Der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum in der Gemeinde sei hoch. Das bekräftigte später auch Fraktionskollege Adolf Geider. Köck plädierte aber für Gebäudeentwürfe, die besser zur Mühle passen, man solle sie erst mit dem Nutzungskonzept planen. Allerdings könne man die Bebauung ja heute klar vorgeben.

"Das geht auf keinen Fall", meinte Rudi Heger (FDP/SPD) zu den vorgelegten Architektenentwürfen. Er sah keinen Grund, jetzt schon die Entscheidung für einen Entwurf, geschweige denn für den Bau, zu fällen, erst müssten die Ideen für die Mühlen-Nutzung erarbeitet sein.

Achim Schell (Union) zeigte sich zuversichtlich, dass die Verwaltung, die bereits einigen Wohnraum für Flüchtlinge geschaffen habe, auch jetzt eine Lösung finden wird, ohne die Wiesenbebauung sofort angehen zu müssen. Wohnungsbau für soziale Schwache gelte es zu forcieren, aber mit einem Gesamtkonzept für St. Leon und Rot. Das könne parallel zum Mühlen-Konzept entwickelt werden, in einem Jahr dann könne man endgültig entscheiden. Wenn man die Bebauung jetzt vorgebe, brauche man den "Runden Tisch" zum Mühlen-Konzept nicht mehr, so Fraktionskollege Roman Heger.

Die Ästhetik sei nicht das Wesentliche, so Ferdinand Speckert (CDU): Die Gebäude müssten wirtschaftlich sein und die Mühlen-Wiese bestmöglich ausnutzen. "20 bis 21 Wohnungen, das passt." Die Gemeinde habe sonst keine Kapazitäten, sich Zeit lassen könne man nicht. Auch Manuel Thomé (Junge Liste) wollte nicht warten, die Häuser baue man nicht von heute auf morgen. Der Dezember-Beschluss war für ihn klar: Wohnungen für soziale Zwecke waren die Maßgabe für den Kauf der Mühle.

Erst müssten die Bürger beteiligt werden, betonte Norbert Knopf (Grüne): Den Entwicklern des Mühlen-Konzepts wolle man die beiden Wohnblöcke nicht vorgeben. Übers kommende Jahr könne man Baulücken in der Gemeinde erfassen und nach Alternativen suchen, ehe man dann, wenn das Nutzungskonzept steht, über die Mühlen-Wiese entscheide. "Sonst ist die Bürgerbeteiligung nur eine Farce." Auf ein "Baulücken-Kataster" angesprochen, wie Malsch es hat, bemerkte Bauamtsleiter Werner Kleiber, dass man das durchaus habe: Nur sei völlig unklar, welche Flächen tatsächlich für Gemeindezwecke erworben werden könnten.

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung Artikel: "Kramer-Mühle St. Leon-Rot: "Noch ist alles offen"

24.10.2016 - Was wird aus der Mühlen-Wiese in St. Leon?

Die Bebauung des Areals an der Kramerschen Mühle in St. Leon ist eigentlich beschlossene Sache, stößt nun aber auf Kritik

24.10.2016 von Christian Lerche

Foto: Erich Purkott

St. Leon-Rot. (seb) Im Dezember hatte der Gemeinderat einstimmig beschlossen, die gut 500 Jahre alte Kramersche Mühle in St. Leon zu erwerben: zum einen um sie zu erhalten und zu sanieren - vielerlei Nutzungsmöglichkeiten sind für die ausgedehnten Räumlichkeiten und das weitläufige Areal denkbar; zum anderen, um auf der sogenannten "Mühlen-Wiese" neben der großen Scheune Wohnhäuser für soziale Zwecke zu errichten. Angesichts der damals zu erwartenden Flüchtlingszuweisungen ergab dieses "Gesamtpaket" Sinn und viele Räte machten klar, dass sie dem Erwerb der Mühle allein, etwa für kulturelle oder Vereinszwecke, angesichts der Kosten im Millionenbereich nicht zugestimmt hätten.

Laut Ratsbeschluss muss also beides sein und die Verwaltung hat bereits Maßnahmen zum Erhalt der historischen Substanz treffen lassen, sodass sie für eine Sanierung bereit ist. In der morgigen Gemeinderatssitzung werden mögliche Pläne für die Bebauung der Mühlen-Wiese vorgelegt. Außerdem befasst man sich mit einem Nutzungskonzept für die gesamte Mühle, das unter Beteiligung der Bevölkerung bis zum Spätjahr 2017 gestaltet werden soll.

An dieser Stelle warnt der Verein "Freundeskreis Kramer-Mühle" davor, "den zweiten Schritt vor dem ersten zu tun", wie Vorsitzender Albert Weinlein es ausdrückt: Erst müsse zumindest das Nutzungskonzept stehen, ehe ein Baubeschluss fällt, und dazu gilt es, die Bevölkerung anzuhören. Idealerweise natürlich überdenkt der Rat seinen Dezember-Beschluss, die Mühlen-Wiese könnte schließlich auch für Feste oder auch für Parkplätze genutzt werden.

Höchstes Ziel ist, das machte der Verein auch letzte Woche in einer Informationsveranstaltung im gut besuchten Harres deutlich, das Gesamt-Ensemble der Mühle, "ein Stück Heimat", für nachfolgende Generationen zu erhalten. Mit Blick auf die gesunkenen Flüchtlingszahlen und alternative Immobilien in St. Leon und Rot - "Ich kann der Verwaltung eine Liste geben" - sieht Weinlein zumindest die Chance, von der Wiesenbebauung vorerst abzusehen.

"Ich warne davor, von einer Entspannung der Lage auszugehen", sagt hingegen Bürgermeister Dr. Alexander Eger. Die Zahl der neuen Flüchtlinge sei gesunken, doch nun gehe es um die Anschlussunterbringung, um Menschen, die Asyl erhalten haben oder geduldet werden. Die Gemeinde hat, wie er und Hauptamtsleiterin Anette Reich erklärten, bereits mehrere Häuser und Wohnungen erworben, außerdem die Unterkunft im Gewerbegebiet "Schiff II" errichtet (in der am 28. Oktober, 15.30 Uhr, Tag der offenen Tür ist). Damit wurden insgesamt Plätze für 240 Personen geschaffen - mehr als 320 aber werden St. Leon-Rot laut Landratsamt bis Ende 2018 zugewiesen - "ohne Familienzuzug", so Eger.

Außerdem hat der Rat der Gemeindeverwaltung klar signalisiert, dass Wohnungen für den kleinen Geldbeutel in St. Leon-Rot Mangelware sind und die Gemeinde wenn möglich tätig werden sollte - auch wenn es aktuell keine Anfragen seitens Bedürftiger mit Berechtigungsschein für Sozialwohnungen gibt.

"Der zeitliche Druck ist nicht mehr so groß", sagt Eger, "jetzt müssen wir die Zeit nutzen, um eine verträgliche Gesamtgestaltung der Mühlen-Wiese möglichst im großen Konsens mit allen Interessierten zu erreichen." Der Bürgermeister räumt ein, dass die vorliegenden Entwürfe für die Wiesenbebauung ihm "zu massiv und wuchtig" wirken. Aber in der Dezembersitzung schienen mindestens 20 Wohneinheiten eben noch angebracht, und weil sie wohnlich sein und keinen "Notunterkunfts-Charakter" haben sollten, nähmen sie mehr Raum ein. Über Größe und Gestaltung könne man sich nun noch einmal Gedanken machen, so Eger.

Für die Mühle selbst ist vieles denkbar, Bibliothek, Museum, Festsaal, Vereinsräume, Gastronomie, Bereiche für Theater, Kunst oder Konzerte - doch überfrachten will man sie auch nicht. "Man muss sich aufs Realisierbare konzentrieren", so Eger, "das Gemeinwohl, ein Nutzen für alle, ist das Wichtigste."

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung Artikel: "Was wird aus der Mühlen-Wiese in St. Leon?"

11.09.2016 - "Tag des offenen Denkmals in der Kramer-Mühle" - Motto "Gemeinsam Denkmale erhalten"

 

St. Leon-Rot

 

Auch über die seit 1500 bezeugte "Kramersche Mühle" in St. Leon-Rot, die jetzt im Besitz der Gemeinde ist, kann man am "Tag des offenen Denkmals" viel Wissenswertes erfahren.

Gemälde: Niklaus Hecker/ Foto: Erich Purkott

"Kramersche Mühle". Die Gemeinde St. Leon-Rot und der Arbeitskreis Heimatgeschichte beteiligen sich gemeinsam mit dem "Freundeskreis Kramermühle" am "Tag des offenen Denkmals". Zwischen 10 und 18 Uhr sind alle Interessierten eingeladen, Räumlichkeiten und Gelände der Kramermühle in St. Leon näher in Augenschein zu nehmen. Die fürstbischöflich herrschaftliche Mahlmühle zu St. Leon ist seit 1500 als Bannmühle bezeugt und nutzte bis 1980 den Kraichbach. Seit 1803 war sie im Besitz der Familie Kramer, im vergangenen Dezember hat die Gemeinde sie erworben. Das 1862 errichtete, intakte Wohnhaus mit seiner denkmalgeschützten Fassade, umliegende Wirtschaftsgebäude sowie großzügige Freifläche können erkundet werden.

Ganztägig findet eine Ausstellung alter Traktoren statt, außerdem wird den Besuchern mit historischen Dreschmaschinen der Schlepperfreunde Kurpfalz vorgeführt, wie Korn noch vor wenigen Jahrzehnten gedroschen wurde, außerdem kommen Dreschflegel zum Einsatz. Mit einer Stroh-Seil-Maschine werden Taue geflochten, Erntegerätschaften werden ausgestellt und mit einer Presse wird frischer Apfelsaft gepresst, der Verkauf ist für einen guten Zweck.

Führungen finden um 11, 14.15 und 16 Uhr statt. Der Vortrag "Geschichte der ’Kramer-Mühle’ und der Müller-Familie in der Kramer-Stube" wird um 13.45 und 15.30 Uhr angeboten. Zur Begrüßung spricht Bürgermeister-Stellvertreterin Anneliese Runde um 11.30 Uhr. Für die kleinen Gäste gibt es neben einem Luftballon-Weitflugwettbewerb (ab 11 Uhr) auch ein Kinderquiz (11 bis 15.30 Uhr) mit der Preisverleihung um 16.30 Uhr. Preise des Malwettbewerbs zur Mühle werden um 14.45 Uhr verliehen, zu Klängen vom Kinderchor des St.-Josef-Kindergartens und dem Chor der Harmonie St. Leon. Für die Bewirtung sorgt der Freundeskreis Kramermühle. Auskünfte bei Vanessa Klumpp von der Gemeinde St. Leon-Rot, Telefon 0 62 27/53 81 20 oder E-Mail vanessa.klumpp@st-leon-rot.de.

Museum im Alten Rathaus St. Leon, ein Museum zum Anfassen. Das in den Jahren 1748 bis 1764 als Forsthaus erbaute barocke Gebäude wurde 1833 aufgestockt und 1911 zum Rathaus umgebaut. Es wurde durch einen Bürgersaal mit reich verzierten Glasscheiben erweitert. 2001 stand eine umfassende Restaurierung auf dem Plan. Heute beherbergt das ehemalige Rathaus Vereinsräume und ein Museum mit heimatgeschichtlicher Ausstellung. Am Sonntag, 11. September, öffnet es von 14 bis 17 Uhr seine Türen. Nähere Informationen unter www.st-leon-rot.de.

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung Artikel: "Rund um Wiesloch: Vielfalt beim "Tag des offenen Denkmals" läd zum Erkunden ein"

13.04.2016 - St. Leon-Rot: Die Ideen für die Kramer-Mühle sprudeln nur so

In St. Leon hat sich ein Verein gegründet, der ein Nutzungskonzept für das über 500 Jahre alte Gebäudeensemble erarbeitet

Siehe: 

19.02.2016 - Vereinsgründung “Freundeskreis Kamer-Mühle e.V.”

Am 19.02.2016 wurde der Verein “Freundeskreis Kamer-Mühle e.V.” gegründet

kramer_Muehle_01Auf dem “Mehlboden” im 1. OG der ehemaligen Getreidemühle trafen sich 40 Personen, um den neuen Verein zu gründen.

Nach der Begrüßung durch Albert Weinlein wurde zunächst die vorliegende Tagesord-nung der Versammlung einstimmig beschlossen. Anschließend ging Albert Weinlein auf die Beweggründe zur Gründung eines Vereins ein:

Der Gemeinderat von St. Leon-Rot befasste sich innerhalb der vergangenen 8 Jahre schon zweimal ohne Erfolg mit dem Kauf des Kramer-Anwesens.

Auf Initiative von Bürgermeister Dr. Eger stand der Kauf der Mühle in der Gemeinderatssitzung am 25.10.2015 abermals wieder auf der Tagesordnung. Beweggrund zur Kauf-Empfehlung war die Möglichkeit, kurzfristig auf dem Freigelände links neben der Scheune einen Neubau für “Sozialwohnungen” herzustellen.

Der Gemeinderat vertagte die Entscheidung mit dem Auftrag an die Verwaltung, im Verlauf der nächsten Wochen und Monate konkretere Vorgaben hinsichtlich der Nutzung des Anwesens vorzulegen.

Anfang Dezember 2015 wurde zwischen Bürgermeister und Gemeinderat kurzfristig entschieden, die Frage des Kaufes erneut in die Gemeindratssitzung am 15.12.2015 mit aufzunehmen.

kramer_Muehle_02

Mit dem Ziel, die Bevölkerung von St. Leon-Rot über dieses sensible Thema zu informieren, gründeten Holger Maier und Albert Weinlein Ende November 2015 die Bürgerinitiative “Rettet die Kramer-Mühle”, welche sich noch vor der Gemeinderatssitzung mit einer öffentlichen Infoveranstaltung und einer Unterschriftenaktion vehement für den Kauf und die kulturelle Nutzung des Anwesens einsetzte.

Der Gemeindrat entschied am 15.12.2015 dann auch einstimmig den Kauf der Kramer-Mühle. Im Gemeinderatsbeschluss wurde darüber hinaus auch die Einrichtung eines “Runden Tisches” unter der Regie der Gemeindeverwaltung mitbe-schlossen.

Die inzwischen kräftig angewachsene Initiatoren-Gruppe entschloss sich noch im Dezember, einen Verein zu gründen. Ziel des Vereins ist die Teilnahme am “Runden Tisch” und dort die Ausarbeitung eines Nutz-ungskonzeptes zur Kramer-Mühle.

Nach den Vorstellungen des neuen Vereins soll mit so wenig Eingriffen wie möglich der historische Charakter des Anwesens und der Gebäude erhalten werden. Darüber hinaus sollen die renovierten Gebäude zur Nutzung für die Bürger, der Vereine von St. Leon-Rot sowie insbe-sondere auch für Kleinkultur zur Verfügung stehen.

Nach der Darstellung der Hintergründe sowie auch der Beweggründe zur Gründung des Vereins bereitete

der Versammlungsleiter dann die Beschlussfassung zur eigentlichen Vereinsgründung vor. Der Verein möchte am Runden Tisch in konstruktiver Form den musealen Ausbau der Mühle anregen und an der Entwicklung eines Bürger- und Vereinsorientierten Nutzungskonzeptes mitarbeiten.

Diese Haltung wurde von von allen Anwesenden befürwortet und mitgetragen. In diesem Zusammenhang verwies Albert Weinlein auf die sorgfältig ausgearbeitete “Präambel” des Satzungsentwurfes, in welcher die grundsätz-liche Haltung und Zielrichtung des Vereins zum Ausdruck kommt.

Nach einer kurzen Diskussion zur Formulierung der Präambel wurde danach dann die Satzung des neuen Vereins Wort für Wort vorgelesen und unter Berücksichtigung kleinerer Änderungsanträge auch einstimmig beschlossen.

Diese Beschlussfassung war somit dann die Geburtsstunde des neuen Vereins “Freundeskreis Kramer-Mühle e.V.”

Im Anschluss an die Vereinsgründung fanden dann auch gleich die Neuwahlen zur Besetzung der neuen Vorstandschaft statt. > Siehe hier

 

17.12.2015 - St. Leon-Rot: Einstimmiges Ja für den Kauf der Mühle

Gemeinderat St. Leon-Rot war trotz offener Fragen und hoher Kosten dafür - Wichtiges Argument: Dringend benötigte Sozialwohnungen

7.12.2015, 06:00 Uhr

So könnte es einmal aussehen: die historisch bedeutsame "Kramersche Mühle" und die geplanten Sozialwohnungen rechts im Bild.
Grafik: Peter Dietz, Gemeinde St. Leon-Rot

St. Leon-Rot. (seb) Leichten Herzens haben sicher nicht alle Räte zugestimmt, aber am Schluss war das Ja zu Kauf und Sanierung der "Kramerschen Mühle" in St. Leon-Rot einmütig. Verantwortlich dafür die Kombination zweier Argumente: die historische Bedeutung des Gebäudeensembles und die Chance, dringend benötigte Sozialwohnungen auf dem Mühlenareal zu errichten.

Die Kosten für den Erwerb wurden nicht öffentlich gemacht, Bürgermeister Dr. Alexander Eger nannte einen groben, aber "durchaus realistischen" Rahmen von sieben Millionen Euro für Erhalt und Aufwertung der Mühle - das wird aber freilich nicht auf einmal ausgegeben und der Rat bleibt Herr des Verfahrens, kann also jederzeit die Bremse ziehen. Schade ist, da war man sich einig, dass die eigentliche Mühlenausstattung mit Wasserrad und Mahlsteinen fehlt.

Zunächst stehen Untersuchungen des Bodens und der Bausubstanz an, auch ermächtigte der Rat die Verwaltung, kurzfristig Maßnahmen zur Sicherung der Gebäude durchzuführen. Allerdings wurde hier schon Kritik laut. Zwar versicherte Ortsbaumeister Peter Dietz, dass der Zustand der Gebäude relativ gut sei. Auch Vertreter der Bürgerinitiative zur Rettung der Kramer-Mühle hatten das betont, als sie am Anfang der Sitzung noch einmal inständig für ihr Anliegen plädiert hatten. Professionelle Gutachten liegen aber noch nicht vor und wie der Rat aus der Vergangenheit weiß, ist man bei den Bodenverhältnissen am Kraichbach vor unliebsamen Überraschungen nicht gefeit. Wie teuer der Erhalt der Mühle tatsächlich ist und wie viel investiert werden muss, bis die verschiedenen angedachten Nutzungen - vom Museum über einen interkulturellen Treffpunkt bis zur Gastronomie - machbar sind, kann noch niemand sagen.

Weitere drei bis vier Millionen Euro werden für den Bau von 19 Sozialwohnungen fällig, die in einem zweistöckigen Block neben der Mühle entstehen sollen. Hier lautete der Wunsch des Rats, baldmöglichst mit Planung und Realisierung zu beginnen. Bürgermeister Eger hatte noch einmal deutlich gemacht, dass man in den kommenden Jahren Wohnraum für die Anschlussunterbringung zahlreicher Flüchtlinge schaffen müsse, wohl 150 bis 200 im Jahr. "Das ist eine Riesenherausforderung. Wichtig ist jede bebaubare Fläche in der Gemeinde." Darum habe man ja die Mühle nach nunmehr acht Jahren der diesbezüglichen Überlegungen jetzt auf die Tagesordnung gehoben.

"Wir haben die finanziellen Möglichkeiten", meinte Eger abschließend mit Blick auf eine frei verfügbare Rücklage von 32 Millionen Euro. Auch war er "vorsichtig optimistisch" in Bezug auf Fördermittel, liegt die Mühle doch im Sanierungsgebiet "Ortskern III". Die Verhandlungen mit dem Land seien bisher stets sehr positiv verlaufen.

"Das Gebäude ist es wert, erhalten zu werden", meinte Siegfried Köck (Freie Wähler), auch wenn "noch viele Fragen offen" seien. "Die Anschlussunterbringung hat Priorität", daher müsse man hier "Fahrt aufnehmen". Eine zusätzliche Idee: Das Standesamt in die Mühle zu integrieren, da sie sicher eine attraktive Fotokulisse werde. Baldmöglichst wünschte Köck sich ein Nutzungskonzept in Abstimmung mit Rat und Bevölkerung. Das forderte auch Manuel Thome (Junge Liste): damit es unter Interessenten nicht zu Konflikten komme. Er erkannte durchaus an, wie sehr das Projekt den St. Leon-Roter Bürgern am Herzen liegt.

Als "Pflichtaufgabe" sah Michael Herling (FDP/SPD) es, "die Geschichte der Bannmühle fortzuschreiben", die das Landesdenkmalamt "als Bau- und Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung" bezeichne. "Ein Glücksfall, dass wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können", meinte Christian Kamuf (Union), der die Bedeutung der Mühle und ihr Potenzial für verschiedene Nutzungsformen hervorhob. Er regte einen Gestaltungswettbewerb oder eine "Mehrfachbeauftragung" von Architekturbüros an. Bürgermeister Eger und Ortsbaumeister Dietz waren eher dafür, mehrere Profis um Entwürfe zu bitten und den besten auszuwählen, statt eines Wettbewerbs, der die Sanierung zeitlich hinauszögern könnte. Ähnlich sah es Martina Krenzke (Grüne): "Es soll sich ins historische Ensemble einfügen", sagte sie zu den Sozialwohnungen - die eine "Kröte" seien, die man eben schlucken werde. "Wir freuen uns, dass historische Gebäude den Rang besetzen, der ihnen zusteht": Ferdinand Speckert (CDU) erinnerte an in der Vergangenheit verpasste Chancen, wertvolle Gebäude wie Barockkirche oder Zehntscheuern zu erhalten.

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung Artikel: "St. Leon-Rot: Einstimmiges Ja für den Kauf der Mühle"

14.12.2015 - St. Leon-Rot: Eindringliche Appelle für den Erhalt der Mühle

Informationsveranstaltung der St. Leon-Roter Bürgerinitiative "Rettet die Kramer-Mühle" - Millioneninvestition steht im Raum

14.12.2015 von Christian Lerche

Mindestens 500 Jahre alt und teilweise denkmalgeschützt: die "Kramersche Mühle" in St. Leon-Rot. Der Gemeinderat steht am Dienstag vor der Entscheidung, ob sie erworben und saniert werden soll. Eine Bürgerinitiative plädiert leidenschaftlich dafür. Archiv-Foto: Hecker-Petrova

 

St. Leon-Rot. (seb) Ein "historisch bedeutsames Anwesen", einen "wertvollen Nachlass" für die kommenden Generationen zu bewahren, das ist das Ziel der frisch gegründeten Bürgerinitiative "Rettet die Kramer-Mühle" in St. Leon-Rot. Nachdem der Gemeinderat die Entscheidung über den Kauf im Oktober vertagt hatte, wurde am vergangenen Freitag bekannt, dass das Thema am Dienstag, 15. Dezember, erneut auf die Tagesordnung kommt. Unter zunächst zwölf Aktiven brach hektische Betriebsamkeit auf, wie Sprecher Albert Weinlein, früherer Gemeinderat, jetzt auf der Informationsveranstaltung im Clubhaus der SG St. Leon berichtete.

"Wir wollen ein Zeichen setzen, dass die Bevölkerung ein großes Interesse am Erhalt der Mühle hat", erklärte Weinlein dem zu seiner Freude vollen Saal des Clubhauses. Man sammle Unterschriften, sowohl auf öffentlich ausliegenden Zetteln als auch im Internet. Das einzige, was dagegen spreche, seien die aktuell grob auf sieben Millionen Euro veranschlagten Kosten für Erwerb und Sanierung. Die seien aber angesichts der Bedeutung der Mühle, der sich zusätzlich ergebenden Nutzungsmöglichkeiten und der zu erwartenden Förderung aus dem Landessanierungsprogramm - die Mühle liegt im Sanierungsgebiet "Ortskern III" - alles andere als utopisch.

Gemeinsam mit Zimmermeister Josef Wittmann, der den Gebäuden der Mühle eine grundsätzlich gut erhaltene Bausubstanz bescheinigte, und Willi Steger vom Arbeitskreis Heimatgeschichte, argumentierte Weinlein, dass die Mühle es wert ist, gerettet zu werden. Die Mühle sei mindestens 500 Jahre alt, so Willi Steger. In Archiven des Hochstifts Speyer - die Kramer-Mühle gehörte einst dem Fürstbistum - habe er sogar Hinweise darauf gefunden, dass dort am Kraichbach schon im frühen 13. Jahrhundert, womöglich sogar schon im ausgehenden 9. Jahrhundert, Müller ihrem Handwerk nachgingen. "Eine Mühle mit diesem historischen Hintergrund werden Sie an den 60 Kilometern des Kraichbachs sonst nicht finden", so Steger, der betonte: "Wir vom Arbeitskreis unterstützen den Kauf der Mühle von ganzem Herzen."

Das knapp 6700 Quadratmeter große Areal, das der Kraichbach fast mittig durchquert, ist mit Hauptgebäude, dessen Fassade denkmalgeschützt ist, Scheune, Stallungen und Getreidemühle sowie Ölmühle am gegenüberliegenden Bachufer nach Ansicht der Bürgerinitiative schon jetzt praktisch ein fertiges Museum. Darüber hinaus könnten die Gebäude - insgesamt sind über 1200 Quadratmeter überbaut - Räume für Vereinsveranstaltungen oder Firmenseminare, Theater, Kleinkunst und andere kulturelle Ereignisse, ein Restaurant mit Café oder Biergarten sowie ein Zentrum für interkulturelle Begegnungen beherbergen. Alles hängt davon ab, ob das Anwesen später "mit Leben gefüllt" wird, so Weinlein. Und da zeigte er sich zuversichtlich, schon allein wegen des Bedarfs, den Erich Heger, der St. Leoner Ortsvereinsvorsitzende, und auch Ralf Keilbach Vorsitzender des Gesangvereins Harmonie St. Leon, festgestellt hatten: "Zentrumsnah, in so idyllischer Lage, gibt es sonst keine derartigen Veranstaltungsräume", so Keilbach.

"Schon ein Wermutstropfen" wären für die Bürgerinitiative die in der Verwaltungsvorlage außerdem vorgesehenen 19 Sozialwohnungen, die in einem zweigeschossigen Block auf dem Freigelände neben der Mühle neu entstehen sollen. Wie sich abzeichnet, muss die Gemeinde mit der Zuweisung zahlreicher Flüchtlinge rechnen und auch mit Neubauten für deren Anschlussunterbringung sorgen. Das Mühlenareal dafür zu nutzen, nimmt die Bürgerinitiative in Kauf: als weiteres Argument, um Bedenken zu zerstreuen. Mit mehr als drei, maximal vier Millionen Euro für den Neubau rechnet die Verwaltung, geht aber auch von Mieteinnahmen von gut 90 000 Euro im Jahr aus.

In der anschließenden Diskussion wurde ein Ortsteildenken befürchtet, das womöglich zu einem Nein des Gemeinderats führt, schließlich steht die Mühle auf St. Leoner Gemarkung. Dem trat Bürgermeister Dr. Alexander Eger aber mit Bezug auf Willi Stegers Vortrag und seine eigenen Erfahrungen entgegen: Über Jahrhunderte hinweg sei die Mühle eine feste Institution für St. Leoner wie Roter Landwirte und Bürger gewesen. "Es ist eins der wenigen Gebäude bei uns, die den 30-jährigen Krieg überstanden haben", verwies Eger auch auf die geschichtliche Bedeutung. Und der überwältigende Andrang im Mühlenhof am "Tag des offenen Denkmals" 2013 - von Interessierten aus beiden Ortsteilen - habe ihn persönlich darin bestärkt, den Kauf zu befürworten. Die jetzt veranschlagten Kosten seien nicht in Stein gemeißelt, auch müsse nicht die Sanierung auf einmal umgesetzt werden. "Das ist nichts Unrealistisches", meinte Eger mit Blick auf das von Grund auf sanierte Josefshaus, fast hundert Jahre alt, jetzt für die Kinderbetreuung genutzt: "Damals hieß es: Was wollt ihr mit dem Ding? Reißt es ab! Jetzt sagt jeder: Das ist super geworden." Der Bürgermeister betonte abschließend: "Die Mühle ist kein ’St. Leoner Projekt’. Sie ist ein verbindendes Element für beide Ortsteile."

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung Artikel: "Eindringliche Appelle für den Erhalt der Mühle"

 

11.09.2013 Denkmaltag in St. Leon-Rot: Der Andrang war überwältigend

Die Kramer'sche Mühle lockte am "Tag des offenen Denkmals" rund 300 Besucher an
- Dort gab es Wissenswertes über die Zehntscheuer

St. Leon-Rot. (kus) Die "Zehntscheuer" in Rot und die "Kramer'sche Mühle" in St. Leon waren Besucherobjekte am Tag des offenen Denkmals in St. Leon-Rot. Mitglieder des Arbeitskreises Heimatgeschichte hatten die Besichtigungen vorbereitet. Bürgermeister Dr. Alexander Eger begrüßte die Besucher auf dem Areal der Zehntscheuer und begründete vor deren Grundmauern den Abriss des Gebäudes mit dem Hinweis, dass eine angestrebte Sanierung für ein Heimatmuseum nicht finanzierbar war.

Die Zehntscheuer wurde 1723 von Fürstbischof Damian Hugo von Schönborn erbaut. Sie und die Kramer'sche Mühle sind Symbole eines "Wirtschaftssystems, das von Untertanen der Fürstbischöfe große Opfer abverlangte", wie Kuno Schnader in seinem geschichtlichen Überblick über das Gebäude feststellte. Nach den Kriegen des 16. und 17. Jahrhunderts war die Roter Zehntscheuer Zeugnis wirtschaftlicher Belebung im Hochstift Speyer und zeitgenössischer Zimmermannskunst. Im dreigeteilten Gebäude mit einem Grundriss von 17,50 auf 20 Meter wurden rechts und links der Einfahrt die Garben der Halmfrüchte des Großzehnts bis unter den Dachstuhl gelagert. Ein nachträglich angebauter Wohnteil erweiterte das Gebäude gen Westen um vier Meter. Ein Tränkgärtlein ist ebenfalls im Grundriss erwähnt.

Die Untertanen mussten ...

Unter Kontrolle der Fauthen (Zinseintreiber) des Landvogts, des Chefs der bischöflichen Verwaltung, musste jede zehnte Garbe in die Zehntscheuer gebracht werden. Das Einzugsrecht hatte der Bischof von Speyer. Von St. Leoner Gemarkung erhielt das Domkapitel Speyer den Großen Fruchtzehnten und der Pfarrer den Kleinzehnten. Dazu gehörten Gemüse, Obst und Geflügel. Von Roter Gemarkung ging die Hälfte des Großzehnten an das Domkapitel und die andere Hälfte an die Hochfürstliche Speyerische Hofkammer. Den Kleinzehnten erhielt ebenfalls der Pfarrer.

Die Lagerung der Naturalien erforderte einen hohen organisatorischen Aufwand. Nicht immer waren dafür die personellen Voraussetzungen gegeben. Deshalb verlehnte der Bischof den Zehnten und das Einzugsrecht und ließ sich dafür bezahlen. Die Zehntscheuer erwies sich bereits nach einem Jahr als überflüssig, denn die Bauern brachten ihre Naturalien nach wie vor nach Kislau oder Rotenberg. Das Gebäude wurde deshalb verpachtet und wechselte laufend den Besitzer. Auch vom Krieg blieb es nicht verschont. 1799 stellte ein Husarenregiment zum Leidwesen des Pächters Rothermel seine Pferde darin ab.

1802/03 wurde das rechtsrheinische Gebiet des Speyerischen Fürstentums dem Großherzogtum Baden zugeteilt. Die Großherzogliche Verwaltung in Karlsruhe gab das Gebäude zur Versteigerung frei. Ab 1805 war die Scheuer in Privatbesitz. Hirschwirt Adam Speckert, Martin Steger und andere waren die Eigner. 1986 ging das Gebäude ins Eigentum der Gemeinde über, die im Jahr 2000 wegen Baufälligkeit und der zu kostspieligen Renovierung den Abriss vollziehen musste. Eine Schautafel im Grundmauer-Areal informiert heute über das ehemalige Aussehen der Scheuer, über die Baukonstruktion und über die Geschichte des Gebäudes.

In St. Leon war der Andrang zur "Kramer'schen Mühle" überwältigend. 300 Interessierte kamen, um Wohnhaus, Mühlenbereich, Stallungen und die Außenanlagen zu besichtigen. Darunter waren viele, die in ihrer Jugendzeit mühsam gesammelte Bucheckern für die Ölverarbeitung zur Mühle gebracht hatten.

Bürgermeister Dr. Eger erläuterte die Problematik der Weiterverwendung des 70 Hektar großen Anwesens in der Abwägung zwischen Erhaltung und Vermarktung. Die Mühle ist seit 1980 außer Betrieb. Agathe Helmling beschrieb den Beruf des Müllers, skizzierte die Entwicklung vom handwerklichen Betrieb zur modernen Großmühle, bevor Carmen Gehrlein die Geschichte der Herrschaftsmühle erläuterte. Rudolf Müller, der das Müllerhandwerk in der Kramer'schen Mühle erlernte, erklärte die Mahlvorgänge und "zauberte" mit Worten die 1980 nach Jugoslawien verkauften Einrichtungen in die leer stehenden Räume zurück.

Als Besonderheit konnte man den ehemaligen Ölmahlstein in Augenschein nehmen, denn die Mühle war bis zuletzt auch eine Ölmühle. Emil Klevenz, der ebenfalls Führungen leitete, hatte ihn zusammen mit Willi Steger im Außenbereich unter dem Boden entdeckt und den Stein in harter Handarbeit und mit Hilfe des Traktors freigelegt.

Die Mühle an der Roter Straße, früher im Eigentum des Bistums Speyer, nutzte schon im 16. Jahrhundert die Wasserkraft des Kraichbachs. Der jeweilige Fürstbischof verpachtete die Mahlmühle für einige Jahre an einen "Zeitbeständer" oder auf Lebenszeit an einen "Erbbeständer". Dafür musste der Mühlenpächter eine bestimmte Menge an Getreide oder Mehl an die bischöfliche Kellerei in Speyer, Kislau oder Rotenberg abliefern. Einen Teil des in der Mühle abgelieferten Getreides durfte der Müller als Mahllohn für sich behalten. Das Getreide wurde in Hohlmaßen gemessen.

... große Opfer bringen

Ein Erbbestandsbrief aus dem Jahr 1764 erwähnt Stallungen für Vieh und Schweine, drei Mahlgänge und einen Gerbgang, eine Hirsenmühle und eine Ölmühle mit einer Hanfreibe. Die herrschaftliche Mühle, die 1782 abbrannte und 1783 wieder aufgebaut wurde, war auch eine "Bannmühle" - die Bauern aus St. Leon und Rot mussten ihr Getreide in der Mühle mahlen lassen. An Kunden mangelte es deshalb dem Pächter nicht.

Die Erbbeständer waren trotz erträglicher Einnahmequelle mit hohen Belastungen konfrontiert. Für die Reparaturen und Instandhaltung der Mühle musste der Pächter selbst aufkommen. Nach der Zerstörung der Mühle durch vorbeiziehende französische Truppen im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) und nach dem Brand im Jahr 1782 waren die Pächter beim Wiederaufbau stark gefordert.

Die Abgabe von 43 Malter Korn "guter, sauberer und speichermäßiger Frucht" zu Martini eines jeden Jahres, die Ablieferung auf eigene Kosten bei der Kellerei Kislau sowie jährliche Geldzahlungen an die Herrschaft belasteten den Erbbeständer in hohem Maße, weshalb das Gebäude auch als "unbequemes Denkmal" (so das Motto des diesjähriges "Tags des offenen Denkmals") einzustufen ist. 1766 erhielt Simon Steegmüller die Mühle für sich und seine Erben, 1779 übernahm G.A. Kramer als Erbbeständer die Mühle, die 1803 in das Eigentum der Familie überging.

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung Artikel: "Denkmaltag in St. Leon-Rot: Der Andrang war überwältigend"