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AK Heimatgeschichte Kramer-Mühle

St. Leon-Rot - 28.04.2014.

Der Mühlstein in der Kramer-Mühle, sichtbarer Zeuge vergangener Jahrhunderte

Die Mühlsteine waren das Herzstück der früheren Getreide- und Ölmühlen. Sie wurden über Jahrhunderte hinweg zum Ausgangpunkt für die Gewinnung von Mehl, der Herstellung des täglichen Brotes und der Erzeugung des Grundnahrungsmittels Öl. Während die Mahlsteine der Getreidemühle sich in liegender Position auf einer Steinplatte drehten und das angelieferte Getreide zerrieben, rotierten die „Quetschsteine“ der Ölmühle in senkrechter Aufstellung, um den angelieferten Raps, Mohn und die Bucheckern zu zerquetschen..

Der „Quetschstein“ der Kramerschen Getreide- und Ölmühle, bisher im Boden des Mühlen-areals konserviert und anlässlich des „Tages des Offenen Denkmals 2013“ freigelegt, fand nunmehr als Zeuge vergangener Jahrhunderte seinen Platz sichtbar für jedermann vor dem Eingangstor des Mühlenhofs an der Roter Straße. Einer der beiden Mühlsteine der Getreide-mühle liegt noch im Mühlgarten und muss noch gehoben und aufgestellt werden. Wo sich der zweite Mühlstein der Getreidemühle und der zweite Quetschstein der Ölmühle unter dem Boden auf dem Gelände befinden, ist unbekannt.

Christian Billmaier und Marcel Reinhard waren vom Bauhof der Gemeinde mit schwerem Gerät angefahren, um den Quetschstein aus hartem roten Sandstein mit seinen 107,5 cm Durchmesser und über 13 Zentnern an seinen künftigen Platz zu hieven. Dort besorgten Emil Klevenz, Reinhard Klevenz, Willi Steger und Rudolf Müller in Anwesenheit von Fritz Kramer und Beatrix Wetzel geb. Kramer die Verankerung des Steines.

Rudolf Müller, der seinen Familiennamen zu Recht trägt, weil er in der Kramer-Mühle das Müllerhandwerk erlernt hatte, war noch dabei, als sich die beiden Quetschsteine, über ein Zahnradsystem mit dem Mühlrad verbunden, auf der flachen eingefassten Steinplatte drehten, um die Ölsaaten und Ölfrüchte zu zerquetschen.

Die zerquetschte Masse wurde dann auf 75 Grad erhitzt, in Leinentüchern gepackt und das Öl in einem besonderen Arbeitgang herausgepresst.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Ölmühle begehrtes Ziel, als man die mühsam gesammelten Bucheckern zur Mühle brachte, um dafür kostbares Öl in Empfang zu nehmen. Die Getreidemühle war in einem anderen Gebäude untergebracht und hatte ebenfalls ein eigenes, unterschlächtiges Wasserrad. Als in den 50er Jahren die Wasserkraft des Kraichbachs nicht mehr ausreichte, kamen Elektromotoren zum Einsatz.

Die Mühle, früher im Besitz der Fürstbischöfe von Speyer, wurde von diesen an „Zeitbestän-der“ für eine bestimmte Dauer und an „Erbbeständer, mit dem Recht, die Mühle an die Nachkommen weiterzugeben, verpachtet. Bis 1686 war Cornelius Orth und von 1686-1724 Wolfgang Steegmüller „Zeitbeständer“ Ihnen folgten Sohn Johann Georg Steegmüller(1724-1740), Dominikus Winterhold (1740-1749) und Simon Steegmüller, Sohn des Johann Georg Steegmüller (1749-1764)., ebenfalls als Zeitbeständer. Von 1764-1779 erhielt Simon Steegmüller die Mühle als „Erbbeständer“.

1779 übernahm Georg Adam Cramer das Anwesen ebenfalls als Erbbeständer. Im Zuge der Säkularisierung 1803, als alle Besitztümer geistlicher Fürsten in „verweltlicht“ wurden, ging die Mühle in Privatbesitz der Familie Kramer über.1989 wurde der Mühlenbetrieb eingestellt und das Inventar an eine Mühle im ehemaligen Jugoslawien verkauft.

Zeit- und Erbbeständer hatten als Mühlenpächter jedoch strenge Auflagen der bischöflichen Obrigkeit zu erfüllen. Sie mussten für alle anfallenden Reparaturen selbst aufkommen und die Mühleneinrichtung, samt Stallungen und Scheuer instand halten. Nach der Zerstörung im Pfälzischen Erbfolgekrieg hatte Wolfgang Steegmüller die Mühle in eigener Regie und auf eigene Kosten wieder aufgebaut. Obligatorisch war auch die jährliche Abgabe einer be-stimmten Getreidemenge an die bischöfliche Rent- und Hofkammer oder an die bischöfliche Kellerei in Kislau.

Die Pflichten des Erbbeständers Simon Steegmüller waren sogar in 21 Paragraphen festgelegt: Jedes Jahr musste er 75 Malter Korn „gute ,saubere und speichermäßigeFrucht“ auf eigene Kosten an die Kellerei Kislau abliefern, 4000 Gulden innerhalb eines Jahres in zwei Raten zahlen und einen herrschaftlichen Hund halten.4000 Gulden hatten damals einen Wert von drei kleinen Bauernanwesen.

Der Erbbeständer hatte aber auch Rechte. So durfte er ein Sechszehntel der Malmenge als Mahllohn für sich behalten, die Gemeindeweiden nutzen und im herrschaftlichen Wald Holz schlagen. Zu Frondiensten war er nicht verpflichtet.

Die Kramersche Mühle verkörpert ein wesentliches Stück Ortsgeschichte, denn sie war seit 1500 Bannmühle. Alle Bauern aus St. Leon und Rot mussten in Zeiten fürstbischöflicher Herrschaft ihr Getreide in der St. Leoner Mühle mahlen lassen. Der Mühlstein (Quetschstein) steht für einen Jahrhunderte alten Mahlvorgang, der mit Hilfe eines Mühlrades die Wasser-kraft des Kraichbachs nutzte. Es war eine gute Idee des Arbeitskreises Heimatgeschichte, den Mahlstein aus hartem roten Sandstein in beschriebener Weise für die Besucher sichtbar darzustellen.

Wünschenswert wäre das Anbringen einer Hinweistafel mit Erläuterungen der Geschichte der Mühle iund der beiden Mahlvorgänge. kus

Quelle: Lokalmatador Artikel Der Mühlstein in der Kramer-Mühle, sichtbarer Zeuge vergangener Jahrhunderte